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Was SEO nicht ist

Heute gibt es einen spannenden Experten-Gastbeitrag zum Thema SEO.


 

Viele Unternehmer verstehen unter Suchmaschinenoptimierung (SEO) nach wie vor schnelle, günstige und einfache Tricks, die eine Seite innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen zu einem beliebigen Begriff bei Google gut auffindbar werden lassen. Dem ist heutzutage aber nicht mehr so. Inspiriert vom Artikel „Die Gefahren von Performance Marketing“ möchte ich in diesem Gastbeitrag zeigen, was gute SEO ausmacht, und welche Folgen „schnell und billig“ haben kann.

 

(1) Gute Rankings und gute Kunden

Zunächst kurz zum generellen Gedankengang: Gute Ranking-Positionen sind natürlich eine gute Sache, denn ein höheres Ranking für einen Suchbegriff bedeutet in der Regel auch, dass mehr Suchende auf das eigene Ergebnis klicken werden. Eine Steigerung der Position für einen Suchbegriff bedeutet also in den meisten Fällen, auch den Traffic auf die eigene Seite zu steigern. Aber mehr Traffic bedeutet noch lange nicht, dass auch die Anzahl der Kunden erhöht wird. Wählen Sie zum Beispiel zu allgemeine Suchbegriffe aus, auf die Ihre Webseite optimiert wird, dann werden viele Besucher Ihre Seite sofort wieder verlassen. Zudem sind allgemeine Begriffe in der Regel härter umkämpft, ein gutes Ranking ist also schwerer zu erreichen.

Apropos Ranking: Mittlerweile gibt es nicht mehr das eine, feste, unumstößliche Ranking. Je nach Gerätetyp, Aufenthaltsort, zuvor getätigten Suchen und, und, und… variiert die Position, an der ein Suchergebnis angezeigt wird. Wer ein Restaurant in München betreibt, wird heutzutage nicht mehr bei Restaurantsuchen in Berlin von Google angezeigt werden.

 

(2) In wenigen Tagen Top Rankings

Für die wenigsten Seiten ist es möglich, für kommerzielle Begriffe („Herd kaufen“) innerhalb weniger Tage von Platz 100 auf Platz 1 zu gelangen. Die Wettbewerber haben hier meist schon jahrelang daran gearbeitet, dass Google ihren Seiten eine gewisse Wertigkeit zuordnet. Diese Wertigkeit ermittelte die Suchmaschine unter anderem aus dem Nutzerverhalten in Form von Klickraten, Rücksprungraten in die Suchergebnisse und weiteren Metriken, die die Suchmaschine erfassen kann. Auch wertet die Suchmaschine aus, wie oft in der Suche nach einer bestimmten Domain gesucht wird. Um hier direkt vorne mitzumischen, müssten Sie entweder durch andere Kanäle (PR, TV-Werbung etc.) auf sich aufmerksam machen (damit Google erkennt, dass Nutzer ein Interesse an genau Ihrer Seite haben) oder aber Ihr Inhalt müsste die Suchanfrage weitaus besser beantworten, als es Ihre Wettbewerber können.

Kurzum: Es ist nicht realistisch, in wenigen Tagen für kommerzielle Begriffe vorne dabei zu sein. Auch wenige Wochen sind für die meisten Begriffe unrealistisch – außer es besteht wenig Wettbewerb. In letzterem Fall ist es aber häufig fraglich, ob die in der Regel damit verbundenen geringen Besucherströme den Aufwand wert sind.

Für SEO dagegen äußerst interessant sind Nischenthemen. Versuchen Sie, sich durch hilfreiche Inhalte oder ein ansprechendes Angebot mit entsprechend guten Beschreibungen als Experte hervorzutun. Dann gibt das den Mehrwert, der für Google ein gutes Ranking rechtfertigt. Denn in dem Fall geben Sie der Suchmaschine einen guten Grund, Ihre Seite oben auf der Suchergebnisseite zu zeigen – Ihre Seite ist einfach eines der besten Ergebnisse für den Suchenden. Aber: Dieser Weg ist aufwändig, und selten entstehen Experten (oder ihre Webseiten) über Nacht.

 

(3) Günstige SEO und ihre Folgen

Häufig werden SEO-Maßnahmen zu Festpreisen im ein- oder zweistelligen Bereich angeboten. Überlegen Sie selbst: Wie viel würden Sie arbeiten, wenn Sie wenige Euro dafür erhalten? Wahrscheinlich nicht allzu viel.

Häufige Angebote, von denen Sie die Finger lassen sollten, sind zum Beispiel:

  • Tausende Backlinks: Hierbei handelt es sich um Spam-Links, die zumeist automatisiert erstellt werden. Forenprofile, Kommentare in Blogs oder Anmeldungen in Verzeichnisse, in denen sich menschliche Besucher nur aus Versehen verirren, machen solche Leistungen meist aus. Mit derartigen Links lässt sich heutzutage kein langfristiges SEO betreiben.
  • Anmeldung in hundert Suchmaschinen: Wirklich relevant ist nur Google mit über 90% Marktanteil. Hier sollten Sie auch deshalb selbständig eine Anmeldung in Googles Webmaster-Tools vornehmen, da Sie hier einige wertvolle Daten erhalten können. Andere Suchmaschinen werden Sie spätestens dann finden, wenn Sie durch gute PR, Anmeldung in wichtigen Branchenportalen oder durch Pingback des Blogs auf sich aufmerksam machen.
  • SEO-Angebote ohne konkrete Erklärung der Maßnahmen: Vielfach handelt es sich dabei um obige Punkte.

Grob gesagt sollte alles vermieden werden, was nach automatisierten Diensten klingt. Teilweise waren die angebotenen Strategien früher erfolgreich, weshalb einige Anbieter mit zufriedenen Kunden und Erfolgsbeispielen arbeiten können. Doch funktionieren die meisten schnellen Wege heute nicht mehr.
Ein paar der Folgen lassen sich gleich erkennen: Günstige Arbeit ist in den wenigsten Fällen auch gut. Im Falle von SEO kann ein vermeintliches Schnäppchen aber sogar nachteilig sein. Google straft nämlich Seiten, die künstlich Linkaufbau betreiben, ab. Die Sichtbarkeit in den Google Suchergebnissen kann dann verloren gehen, anstatt zu steigen, wie es bei der Domain in nachfolgender Grafik der Fall war:

domain-ranking-beispiel

Andere billig-Aktionen dagegen sind nicht schädlich, sondern wie beispielsweise die Anmeldung bei hunderten Suchmaschinen einfach nur rausgeschmissenes Geld.

 

(4) Nicht mehr funktionierende Tricks

Suchmaschinen möchten diejenigen Seiten vorne zeigen, die die Anfrage des Suchenden möglichst gut erfüllen. Sie haben kein Interesse an Tricksereien, die schlechtere Seiten nach vorne bringen, und verbessern die Algorithmen stätig, um ebensolche Seiten auszufiltern. Ehemals funktionierende Tricks können heute schnell dazu führen, dass eine Domain nicht mehr in der Google Suche auffindbar ist. Dazu gehört zum Beispiel:

Backlinks auf Masse

Es gibt noch immer Projekte, die kurzfristig Erfolge durch massenhaft gesetzte Links verzeichnen können. Langfristig sind solche Links aber, insofern sie überhaupt eine Wirkung zeigen, schädlich. Google verwendet hier manuelle Abstrafungen und das Algorithmus-Update „Pinguin“, der russische Konkurrent Yandex experimentiert sogar regionsweise damit, gar keine Links in die Bewertung einfließen zu lassen.

SEO-Texte, die vor Besuchern versteckt sind

Texte, die für den Besucher nicht sichtbar sind, werden von der Suchmaschine teilweise ignoriert. Zu Abstrafungen kann es allerdings kommen, wenn diese Texte ausschließlich zum Austricksen der Suchmaschinen untergebracht wurden. Dabei gilt: je minderwertiger der Inhalt, umso gefährlicher fürs Ranking. Werden zum Beispiel seitenweit dieselben Texte verwendet, in denen nur das Keyword ausgewechselt wird, oder sind die Texte nur eine wirre Zusammenstellung von Worten, dann ist das nachteilig für das Ranking.

Kopierte Inhalte

Inhalte von anderen Seiten kopieren, um mehr Rankings zu erhalten, klappt heute nur in Ausnahmefällen. Das haben zum Beispiel Web-Verzeichnisse oder PR-Portale zu spüren bekommen: Da deren Artikel und Firmenbeschreibungen zumeist auch auf anderen Seiten vorhanden sind, verloren die Domains einen großen Teil der Sichtbarkeit in den Suchergebnissen.

 

(5) Warum dann SEO?

Ganz einfach: Auch wenn es viel mehr Mühe als vor ein paar Jahren ist, lohnt sich der Aufwand, wenn SEO richtig gemacht wird. Das fängt allerdings schon vor den Optimierungsmaßnahmen an: Heutzutage braucht SEO eine gute Domain mit guten Inhalten. Dazu gehört, dass die Seite genau das macht, was der Besucher erwartet, und das fehlerfrei. Das mag lapidar erscheinen, aber schon hier scheitert es oftmals. Denn dazu gehört auch, dass eine kommerziell orientierte Seite schnell laden sollte, dass Inhalte aktuell und in der Sprache der Zielgruppe sind, gute Produktfotos im Shop eingepflegt sind und vieles anderes, was selbstverständlich erscheint, aber leider nicht immer vorhanden ist.

Mit so einer Grundlage ist funktionierende SEO möglich, das dann aber auch mit einer Zielgruppendefinition und einer Bestimmung sinnvoller Keywords starten muss, und nicht einfach blind drauflos. Sind die Grundlagen dagegen nicht vorhanden, sollten erstmal die bereits bekannten Baustellen gefixt werden.

 


Über die Autorin

Die Autorin Martina Kölsch arbeitet bei der Internetagentur mindshape GmbH in Köln. Sie betreut seit mehreren Jahren als Online Marketing Consultant Webseiten von Unternehmen verschiedener Größen.

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