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Innovationswettbewerbe am Beispiel der Lufthansa

In diesem Blogbeitrag widme ich mich einem Thema, das ich persönlich sehr spannend finde, welches hier bisher allerdings noch gar nicht wirklich Beachtung gefunden hat – Innovationswettbewerbe.

Hierzu möchte ich einen vor Kurzem beendeten Wettbewerb der Deutschen Lufthansa präsentieren. Alle Infos hierzu findet man unter innovation.lufthansa.com.
Ende 2012 hat die Lufthansa dazu aufgerufen, Lösungen für ein Gepäckproblem zu finden. Konkret geht es um die Problematik, dass Handgepäck zwar zunächst praktisch ist, gleichzeitig aber auch einige Probleme mit sich bringt, die gelöst werden sollen.

An dieser Stelle beginnt auch schon meine kleine Ad-Hoc-Analyse. Ob ein Innovationswettbewerb gut oder schlecht gemacht wurde, kann leider nur vollständig beurteilt werden, wenn man auch die genauen Ziele der Verantwortlichen kennt. Da dies hier nicht der Fall ist, werde ich die Kernaspekte analysieren und umgekehrt anhand dessen schlussfolgern, welche Ziele das wohl gewesen sein könnten (unter der Annahme, dass die Initiatoren halbwegs wussten, was sie da tun).

 

Problemstellung

Die Problemstellung ist relativ offen formuliert, auch wenn das Problem klar eingegrenzt ist. Dies ist insbesondere für die Generierung von eher einfacheren, evolutionären Ideen von Vorteil.
Grundsätzlich ist bei der Problemstellung darauf zu achten, dass auch wirklich das Problem definiert wird und keine Lösungen oder Lösungsansätze vorgegeben werden. Im vorliegenden Fall ist dies grundsätzlich gut gelöst, obgleich es sicherlich Optimierungsbedarf gibt. So wurde bspw. das Problem bereits in zwei Kategorien eingeteilt – Prozessprobleme und Designprobleme. Dies schränkt den potenziellen Input bewusst oder unbewusst ein. Zudem wurden hier und da bereits Lösungsansätze angeboten, was die Grundidee des Innovationswettbewerbs eigentlich zerstört.

Gut gelungen ist in jedem Fall das zugehörige Erklärvideo mit dem auch aus anderen Erklärvideos bekanntem Adam:

 

Anreizstruktur

Neben der Einladung nach Frankfurt (Teilnehmen konnte jeder weltweit), gab es Koffer und ein Flugtraining im A380-Simulator zu gewinnen.
Die Preise hatten somit einen eher ideellen, als finanziellen Wert. Dieses Fazit basiert auf dem Vergleich mit anderen Innovationswettbewerben, bei denen es schon mal 6- bis 7-stellige Geldbeträge zu gewinnen gibt. Darüber hinaus gibt es nicht einen, sondern drei Gewinner (zzgl. Sonderpreise).
All dies spricht ebenfalls erneut dafür, dass eine eher simple Basisidee gesucht war.

Bei komplexen und/oder revolutionären Ideen empfiehlt es sich eher, einen einzigen Preis von hohem finanziellem Wert auszuschreiben.

 

Teilnehmerstruktur

Der Wettbewerb war sehr offen gestaltet. Konkret konnte jeder überall auf der Welt teilnehmen, indem er sich einfach fix online registriert hat. Offener ist eigentlich nicht möglich.
Auch dies spricht erneut für die Basisidee.

Bei komplexen Ideen sollte man eher auf einen ausgewählten Teilnehmerkreis mit Zulassungsbeschränkungen setzen oder zumindest einen mehrstufigen Wettbewerb ausschreiben. Ein mehrstufiger Wettbewerb kann im ersten Schritt offen und mit geringen Anreizen konzipiert sein, während in einem zweiten Schritt ausgewählte Teilnehmer aus Phase 1 um einen sehr wertvollen Preis wetteifern.

 

Infrastruktur/Wettbewerb/Kooperation

Die bisher analysierten Punkte sprechen klar für das Ziel, evolutionäre Basisideen zu generieren. Gerade in diesem Fall sollten umfassende Möglichkeiten zur Kommunikation und Kooperation der Teilnehmer untereinander vorhanden sein. Hintergrund ist der, dass sich durch die Kollaboration stetig neue Verbesserungen und Innovationen generieren lassen. Dies wurde in Ansätzen auch so umgesetzt. So konnte man bspw. die Ideen anderer kommentieren und bewerten. Die Interaktion wurde am Ende sogar mit Sonderpreisen prämiert.

Nichtsdestotrotz sind die Interaktionsmöglichkeiten sehr beschränkt und fördern nicht zwingend die Weiterentwicklung von Ideen. Hier bieten sich eher Diskussionsforen, Projektmanagement- oder Social-Network-Systeme an. Die Kommentarfunktion ist lediglich ein Basisinstrument.

 

Einbindung in unternehmensinterne Strukturen

Dieser Punkt kann an dieser Stelle mit dem Blick von außen leider nicht geklärt werden. Das so genannte Not-Invented-Here-Syndrom ist ein großes Problem. Bei eher irrelevanten oder sehr, sehr kleinen Innovationen kommt es allerdings ggf. gar nicht zum Ausdruck. Ebenso kann man dem Problem gut damit begegnen, dass man die internen Stellen intensiv in den Innovationsprozess einbindet. Vielleicht wurde dies im vorliegenden Fall getan, wodurch sich intern viele neue Möglichkeiten eröffnen würden.

 

Fazit

Sofern man davon ausgeht, dass die Lufthansa bei diesem Projekt wirklich auf der Suche nach innovativen Ideen war, so wurde sicherlich Vieles richtig gemacht, an vielen Stellen besteht allerdings noch Optimierungspotenzial.
In jedem Fall wurde lediglich eine eher einfache, evolutionäre Basisidee gesucht. Falls dem nicht so war, wäre in der Konzeption einiges falsch gelaufen.
Ggf. möchte man die gewonnenen Basisideen intern weiterentwickeln und damit wirklich konkrete Innovationen generieren. Dies würde ebenfalls gut in das dargestellte Konzept passen.

Gleichzeitig werden mit derartigen Wettbewerben (wie hier gezeigt) aber natürlich auch Marketing-Effekte erzielt (insb. hinsichtlich Kundenbindung). Möglicherweise war dies der primäre Grund, möglicherweise nicht. Dies können am Ende nur die Verantwortlichen bei Lufthansa selbst beurteilen.

Ich hoffe, dass durch dieses kleine Fallbeispiel praktisch gezeigt werden konnte, wie sich Innovationswettbewerbe definieren. Wer einmal ein anderes Beispiel sehen möchte, bei dem große, revolutionäre Ideen gesucht sind, der sollte sich etwas auf innocentive.com umsehen (insbesondere bei den Ausschreibungen, die viele Nullen beim Preisgeld haben ;) ).

 

BTW

Wen das Ganze stärker interessiert, der darf auch gerne genauer in eine meiner Arbeiten zu dem Thema blicken: hier klicken

 

(Titelfoto: © Photographer: Jens Görlich – © CGI: MO CGI GbR – © conditions: worldwide, unlimited, no advertising)

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Stefanie
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Hallo Jens,

Danke für den guten Blogpost. Der Lufthansa Wettbewerb und die online-Plattform wurden übrigens in Zusammenarbeit mit der HYVE Innovation Community GmbH umgesetzt.

Wettbewerbe wie dieser haben zudem auch Signalwirkung. In diesem Fall zeigt Lufthansa, dass sie ihren Kunden aktiv zuhört.

Dementsprechend haben evolutionäre Ideen – im Gegensatz zu revolutionären Innovationen – den Vorteil, dass sie in der Regel schneller realisierbar sind. Dadurch kann das Unternehmen relativ zeitnah echte Resultate aus dem Wettbewerb präsentieren.

Ein gutes Beispiel für einen spezifischeren Contest, der vor allem Fachexperten anspricht, ist der aktuell laufende Engineering Contest von Poettinger: https://www.poettinger-innovation.at/

viele Grüße!