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Die totgeschwiegene Rentenlücke der Generationen U40

Mindestens 1x im Jahr wird sie irgendwo geführt. Die Debatte um gerechte Renten und Altersarmut. Was mir als Angehörigen der jüngeren Generationen hier übel aufstößt – es geht stets um die Situation aktueller Rentner – nie um die Aussichten der jüngeren Mitbürger. Die politischen Gründe (Rentner stellen in unserer Demokratie einen großen Part dar) hinten angestellt, möchte ich auf ein paar Fakten und die bittere Wahrheit aufmerksam machen.

Altersarmut ist aktuell die Ausnahme, wird aber die Regel werden

Sicherlich gibt es auch heute ältere Menschen, die mit ihrer Rente gerade so irgendwie über die Runden kommen. Nichtsdestotrotz kann hier von Ausnahmen gesprochen werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn als „arm“ die bezeichnet werden, deren Einkünfte dem Hartz4-Niveau entsprechen.

Diese Situation mag jetzt in einigen Situationen tragisch erscheinen, wir werden uns aber ggf. daran gewöhnen müssen!

Das aktuelle Rentensystem kann die Generation U40 nicht ernähren

Blicken wir auf die Art und Weise, wie unser Rentensystem funktioniert. Eigentlich ganz einfach: Jeder Angestellte spendet einen Teil seines Lohns der Rentenkasse, die dies wiederum an die Rentner ausschüttet. Wichtig ist hier, dass die aktuelle arbeitende Generation für die aktuelle Rente beziehende Generation zahlt. Man zahlt also nicht für sich selbst ein.

Wenn also 100 Personen arbeiten und 1 Person Rente bezieht, so funktioniert das System wunderbar. Jeder gibt 20 EUR pro Monat ab und die Person kann gemütlich leben.

Die vielen Gründe (kein Krieg, viel(!) höhere Lebenserwartung und so gesehen zu geringes Renteneintrittsalter), weshalb sich die Zeiten diesbezüglich kontraproduktiv entwickelt haben dahingestellt. Fakt ist, dass obige Logik bereits für unsere Großeltern nur gerade so funktioniert hat, für unsere Eltern nicht funktioniert und erst recht nicht mehr für uns funktionieren wird.

Wenn 10 Personen arbeiten und 100 Personen Rente beziehen, dann muss jeder im Monat 20.000 EUR geben, damit diese Personen gemütlich leben können. Blöd. Da hilft es nicht einmal die Superreichen zu enteignen.

Diese abstrakten Rechenbeispiele sind natürlich überzogen. Aber sehen wir uns aktuelle Prognosen an. Beispielsweise den Bericht hier…

Ohne private Vorsorge sieht es im aktuellen System finster aus. Um den gewohnten Lebensstandard zu halten müssen also rund 800 EUR pro Monat zurückgelegt und angelegt werden (als Durchschnittswert). Also 9.600 EUR jährlich. Je nach Verdienst entspricht das bis zu 24.000 EUR vom Bruttolohn, der allein pro Jahr in die Vorsorge fließen muss, um Altersarmut zu vermeiden. Das Ganze so lange, wie man gedenkt Rente zu beziehen. Wer also noch der Illusion unterliegt, mit 65 Jahren das Arbeitsleben zu verlassen, darf ab spätestens 35 mit dieser Rechnung anfangen.

Um ehrlich zu sein: Ich kenne kaum jemanden, der in der Lage ist, dies umzusetzen.

Unsere Eltern und Großeltern lebten/leben über unsere Verhältnisse

Auch vorhergehende Generation hätten dies in der Mehrheit nicht stemmen können. Entsprechend lohnt sich an dieser Stelle auch nochmals der Blick auf das System. Unsere Großelterngeneration hat in erster Linie von dem starken Wirtschaftswachstum der Nachkriegsjahre profitiert. Obgleich dies in der Tat den Entbehrungen und der Arbeitsleistung dieser Menschen zu verdanken ist, ist es am Ende trotzdem auch eine reguläre marktwirtschaftliche Entwicklung, die sich genauso wieder abbauen oder umschichten kann (siehe Finanzkrise oder auch nur die Lohnentwicklung der letzten Jahre). Entsprechend hätte man also die Einnahmen der guten Zeit für schlechtere Zeiten anlegen müssen. Stattdessen hat man sie großzügig ausgegeben. Was man für die Nachkriegsgeneration noch entschuldigen kann, ist für die letzten Jahrzehnte eigentlich unverantwortbar.

Die bittere Wahrheit über die einzigen Lösungen

Das alles kann man nun als ungerecht empfinden, löst aber das Problem nicht. Genau aus diesem Grund ist jegliche Diskussion in diesem Kontext über soziale Gerechtigkeit (wie sie von linken Parteien definiert wird) fehl am Platz. Es kann mit regulären Mitteln keinen großzügigen Wohlstand für alle geben.

Quo Vadis?

Option 1: Erhöhung des Renteneintrittsalter

Je kürzer man Rente bezieht und je länger man dafür arbeitet, umso entspannter wird natürlich die obige Rechnung. Jede Diskussion um 63, 65 oder 67 ist hier aber Quatsch. Wir müssen eher über 75 oder gar 80 sprechen. Zu hoch, damit auch nur 1 Politiker den Mut hätte, sich damit zu befassen.
Ein erster sehr wichtiger Schritt wäre aber sicherlich ein vollständig flexibles Renteneintrittsalter zu schaffen, wie von der FDP gefordert. Dies würde flexiblere Gesamtanpassungen für die nächsten Jahre deutlich erleichtern.

Option 2: Neues System

Dass unser Rentensystem für unsere Gesellschaft nicht mehr funktioniert liegt auf der Hand. Eine Umgestaltung könnte in Richtung Grundeinkommen tendieren. Grundabsicherung + private Vorsorge; dafür aber keine Abgaben während man arbeitet. Das ganze in Stufen eingeführt, um den unterschiedlichen Generationen gerecht zu werden. Andere Systeme sind denkbar.
Dies wäre sicherlich die sauberste Lösung, aber erfordert ebenfalls große politische Anstrengungen und es muss klar sein, dass niemand mit einem neuen, nachhaltigen und fairen System den Rentenwohlstand unserer „Vorgänger“ erreichen wird. Zeitgleich liegt bei einem derartigen Modell noch mehr Verantwortung bei jedem Einzelnen. Dies wird zu neuen Problemen führen.

Option 3: Truth to be spoken und Umerziehung

Wir leben in einem Deutschland, in dem es jeder als selbstverständlich erachtet, dass er im Rentenalter nicht nur versorgt ist, sondern auch genügend Mittel für Weltreisen, Hobbies und mehr zur Verfügung hat. Man hat ja schließlich hart gearbeitet.
Es muss ein Umdenken her, dass auch 40 Jahre harte Arbeit kein Recht auf Wohlstand, sondern lediglich auf Existenz schaffen. So hart dies klingt, müsste diese Botschaft so lange wiederholt werden, bis sie auch jeder verstanden hat. Nur so können die großen Enttäuschungen verhindert werden, wenn die Rente eben nur zum Überleben reicht. Hier geht es nicht um soziale Gerechtigkeit oder irgendwelche linke oder liberale Parolen. Hier geht es um die bittere Wahrheit über ein System, das die unliebsamen Resultate ganz automatisch schafft, da sich unsere Gesellschaft (bzw. die Politik, die aufgrund des Egoismus jedes einzelnen entsteht) nicht in der Lage sieht, etwas daran zu ändern.

Rente ist keine Belohnung! Rente ist ein soziales Sicherheitsnetz. Nicht mehr und nicht weniger. Die Umdeutung hat uns in eine recht düstere Situation manövriert.

Nun liegt es an uns, uns bestmöglich darauf vorzubereiten.

 

(Eine theoretische weitere Option wäre sicherlich auch eine andere Bevölkerungsstruktur – aber dies kann man zum einen nicht erzwingen und selbst im Idealfall wäre es nur das Erkaufen von etwas mehr Zeit. Auch denkbar wäre die Querfinanzierung aus ganz anderen Töpfen. Aber mal ehrlich: welche sollen das sein?!)

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